Geschichte

Die Jugendverbände der Gemeinschaft Christlichen Lebens ( J-GCL ) sind christliche Schülerinnen und Schülerverbände, die sich vor allem für die Belange und Interessen von Schülern und Schülerinnen, Kindern und Jugendlichen zwischen zehn und zwanzig Jahren, einsetzen. J-GCL-Gruppen finden sich an Gymnasien, Realschulen und Jugendhäusern im vielen Diözesen Deutschlands, schwerpunktmäßig im süddeutschen Raum. Sie haben aber auch eine weltweite Verankerung und können auf eine lange Geschichte zurückblicken.

Die folgenden Informationen wurden dem Heft „Die Geschichte der J-GCL“ entnommen, welches 2010 vom Geschichts-Arbeitskreis auf Bundesebene erarbeitet und im 2011 von der Bundesstelle der J-GCL herausgegeben. Das Heft kann unter folgendem Link heruntergeladen werden:


1563
Jean Leunis gründet, von anderen jesuitischen Laiengruppen inspiriert, mit Jugendlichen der Oberschule des Römischen Kollegs die MC mit ihm als Leiter. Er entwirft Regeln für die Gemeinschaft, die vor allem die Lebensgestaltung der Mitglieder und Marien-Verehrung enthalten. Es gibt wöchentliche Treffen der Gruppe. Dort wollen sie die ignatianischen Exerzitien ins tägliche Leben umsetzen. Das Ziel der MC ist die wissenschaftliche Ausbildung mit christlichen Lebensweisen zusammenzubringen. Weiteres Ziel der Gruppen ist der Einsatz für andere Menschen (Apostolat). Das Besondere an dieser Gemeinschaft ist, dass die Schüler ihre eigenen Regeln aufstellen, wichtige Entscheidungen treffen und ihre eigenen Gruppenleiter und Verantwortlichen wählen. Auch die für die MC zuständigen Jesuitenpatres werden von den Jugendlichen gewählt. Viele Patres lernen diese Schülergruppen kennen und gründen an verschiedenen Orten neue Gruppen bzw. wandeln existierende Gruppen (z.B. in Oberitalien und Paris) nach dem MC-Vorbild um.

1574
Gründung der ersten deutschen Gruppe in Dillingen. In den nächsten Jahren werden MCen in Köln, im Rheinland und in den Niederlanden durch Franz Coster gegründet. Außerdem entstehen Gruppen in Süddeutschland (z.B. Ingolstadt (1595) und München). Mittlerweile gibt es MCen überall wo es Jesuiten gibt, auch in Asien und Lateinamerika.

1584
Drei Wochen nach dem Tod von Johannes Leunis errichtet Papst Gregor XIII. mit der Bulle „Omnipotentis Dei“ die MC als kirchliche Gemeinschaft und Muttercongregation, der andere Congregationen nach dem Modell der MC am Römischen Kolleg angegliedert werden können. Dabei liegt die Leitung bei gewählten Laien und der jeweilige Pater stellt das Bindeglied zwischen Kirche und MC dar und ist Hauptverantwortlicher für Ausrichtung von Exerzitien. Rechtlich ist sie dem Generaloberen der Gesellschaft Jesu unterstellt.

1587
Der Generalobere der SJ, Claudius Acquiva, stellt „Allgemeine Regeln“ für die MC auf. Diese sollen die gemeinsame Grundlage aller, in den sonst unterschiedlichsten Ständen vertretenen, MCen bilden (erstes „Profil“ der MC).

1615
Offiziell sind Frauen-MCen nicht zugelassen, sie existieren aber schon seit 1615 in vielen deutschen Städten und auch in anderen Ländern. Davon sind einige jedoch nur für unverheiratete Frauen. Allerdings existiert in Münster eine Mütter- und Jungfrauenkongregation, die sich vor allem der „Erziehung der weiblichen Jugend, der Ausschmückung der Kirche und Herstellung von Kirchengewändern“ widmen.

1748
Im 18. Jahrhundert sind nicht nur die Jesuiten, sondern auch die MCen erheblichen Angriffen ausgesetzt, Verschwörungstheorien machen die Runde. Daraufhin drückt Papst Benedikt XIV. seinen starken Rückhalt für die MCen durch ein ausführliches Schreiben der Anerkennung „Bis saeculari“ aus, genannt „Goldene Bulle“ (Bulla aurea – wegen des anhängenden goldenen päpstlichen Siegels).

1751
Vom Papst werden nun offiziell Frauen-MCen zugelassen.

1773
Unter dem Druck Spaniens, Frankreichs und Portugals verbietet Papst Clemens XIV. durch „Dominus ac redemptor noster“ den Jesuitenorden aus politischen Gründen. Aufgrund dessen werden auch die mittlerweile etwa 2500 MCen aufgelöst. Einige Monate später wird die Auflösung der MCen unter der Bedingung, dass die MCen jetzt dem jeweiligen Bischof unterstehen, rückgängig gemacht. Durch die Trennung vom Jesuitenorden verliert die MC ihre ursprüngliche Inspiration. Es gibt keine Laienexerzitien mehr. Die MCen werden zum allgemeinen Instrument der Seelsorge und sollen vor allem caritativ tätig werden. Bischöfe dürfen überall neue MCen gründen, wodurch die MC zu einer frommen Massenbewegung wird. So steigt die Gruppenanzahl von 1773 bis 1948 von etwa 2500 auf mehr als 80.000.

1814
Das Verbot des Jesuitenordens wird aufgehoben. Auch wenn wieder Jesuiten in der MC tätig sind, ist die Verbindung zwischen MC und Jesuitenorden nicht mehr so stark wie vor dem Verbot.

1824
Aus dem Werk der Jesuiten ist nun ein Werk der Gesamtkirche geworden. Die Mitgliederzahlen steigen, es gibt deutlich mehr Frauen-/Mädchen-MCen, jedoch haben die MCen oft eigene, unterschiedliche Satzungen.

1872
Der deutsche Reichskanzler Otto von Bismarck spricht ein staatliches Verbot für den Jesuitenorden und die MC der studierenden Jugend im Deutschen Reich aus, welches bis 1904 besteht.

1910
Für die MC werden vom Jesuitengeneral neue „Allgemeine Regeln“ erlassen. Diese gelten für MCen an Jesuitenhäusern, was nur etwa 5% der MCen sind. Daran ist zu erkennen, wie der Einfluss der Bischöfe die MC verändert hat.

1921
Der „Bayerische Landesverband der Studenten-MC-Schüler-MC“ wird, ausgehend von Eichstätt, gegründet.

1922
Die MCen für Jungen schließen sich zu einem Jugendverband in Deutschland, genannt „MC für Jungen“, zusammen.

1924
Einrichtung eines Zentralsekretariates in Rom für die MCen an den Ordenshäusern.

Vor 1930
Zusammenschluss der MCen für Mädchen zu einem Jugendverband in Deutschland, genannt „MC für Mädchen“.

„Erst die großen gesellschaftlichen Veränderungen […] in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts führten ja zur Gründung von Verbänden und insbesondere Jugendverbänden.“
(G. Habereder, G. Meining Schopf, H. Mendl, Aus der Geschichte der GCL in: Schlüsselwörter. Handbuch der J-GCL, hrsg. von den Jugendverbänden der Gemeinschaft Christlichen Lebens, Augsburg 1988, S. 13.)

ab 1933
Nach und nach werden die MCen durch die Nationalsozialisten aufgelöst. Einige Gruppen treffen sich heimlich weiter. Bis mindestens 1938 existieren die Schüler-MCen offiziell weiter.

1947
Die Studenten-MC von Pater Verges führt in Barcelona einen internationalen Kongress für studentische MCen durch mit Teilnehmern aus 28 Nationen.

1947
Der Verband der MCen für Jungen wird unter dem Namen „Verband Marianischer Schülerkongregationen“ neugegründet und tritt dem BDKJ bei. Kurze Zeit später erfolgt in Münsterschwarzach eine Umbenennung in „Verband der Marianischen Congregation studierender Jugend“, kurz VdMC. 

1948
Der Mädchenverband wird unter dem Namen „Arbeitsgemeinschaft der Marianischen Congregation studierender Mädchen“, kurz AdMC neugegründet und tritt dem BDKJ bei.

1948
Anlässlich des 200. Jahrestages der „Goldenen Bulle“ von 1748 fordert Papst Pius XII. in seinem päpstlichen Dokument „Bis seaculari“ eine Wiederentdeckung des ursprünglichen Charismas und der Exerzitien. Er verpflichtet alle MCen auf die Allgemeinen Regeln von 1910. In Deutschland bildet sich unter Studenten und Akademikern eine eigene Gruppierung zur Erneuerung der MCen, der Pauluskreis. Ende der 40er Jahre: Es besteht Kontakt zu MCen in Ostdeutschland. Berichtet wird von Lebensmittelknappheit und Unterdrückung. Gerade als Sodale hat man es schwer. „Die Aufrechten sollen ausgehungert werden.“ MCen aus Westdeutschland schicken regelmäßig Lebensmittel und Bücher, insbesondere theologische Schriften, nach Ostdeutschland. Ein Mitglied berichtet, dass Briefe von der Stasi gelesen und sogar abgefangen wurden.

1952
Wie schon in anderen Ländern wird in Augsburg, Sterngasse 3 ein „Nationalsekretariat SJ für MCen“ eingerichtet, das inzwischen als „GCL-Sekretariat für Deutschland“ von der GCL übernommen wurde. Auch die Bundesstelle der J-GCL hatte bis Mai 2013 dort ihren Sitz.

2. Juli 1953
Papst Pius XII. stimmt den mit den Ländern erarbeiteten Statuten für eine Weltföderation zu, in der Laien die Verantwortung übernehmen und die unabhängig ist von der Gesellschaft Jesu. Priester übernehmen die Rolle eines Kirchlichen Assistenten. Ziel ist es, sich gegenseitig helfen zu können und gemeinsam nach außen zu wirken.

„Mit diesem Schritt war die Weltförderation offiziell gegründet.“
(Louis Paulussen SJ, So wirkt Gott, Texte der Weltföderation III)

1954
In Rom findet an der Päpstlichen Universität Gregorgiana (dem früheren „Römischen Kolleg“, in dem der Ursprung der MCen liegt) das erste Delegiertentreffen der Weltföderation statt. Der erste Weltkonsult wird gewählt.

7. Februar 1956
Gründung der „Arbeitsgemeinschaft der deutschen Marianischen Congregationen“ in Würzburg mit Beteiligung der beiden Jugendverbände unter der Federführung des Nationalsekretariats SJ. 1966 erfolgt eine Umbenennung in „Nationalförderation der MCen“

1967
Nach achtjährigem weltweiten schriftlichem Dialog zwischen Rom und der Basis lädt der Weltkonsult eine Delegation aus jeder Nation zu einem Treffen vor dem Weltkongress in Rom ein. Der Entwurf zur Vorlage beim Weltdelegiertentreffen wird zwei Tage lang Zeile für Zeile durchgesprochen. Beim Weltdelegiertentreffen in Rom werden die „Allgemeinen Grundsätze“ nach 33 Änderungsanträgen und drei Tagen Diskussion von 38 Ländern einstimmig verabschiedet, und der neue Name „Weltföderation der Gemeinschaften Christlichen Lebens“ wird beschlossen. Zum ersten Mal in der Geschichte formuliert damit eine Weltföderation der MCen ihre eigenen Grundlagen.

25. März 1968
Papst Paul VI. bestätigt die „Allgemeinen Grundsätze“ probeweise für drei Jahre. Dieser Tag wird zum ersten „Welttag der GCL“. Von jetzt an gibt es keine Angliederung mehr an die Muttercongregation in Rom, sondern nur die Aufnahme in eine örtlich zuständige Föderation. Die deutsche Föderation übernimmt den Namen „Gemeinschaften Christlichen Lebens“.

1969/70
Die „Allgemeinen Grundsätze“ werden von den beiden Jugendverbänden (KSJ-GCL und GCL-J) angenommen.

Januar 1971
Erster gemeinsamer Generalkonsult beider Jugendverbände (KSJ-GCL und GCL-J).

1971
Endgültige kirchliche Bestätigung der „Allgemeinen Grundsätze“ durch Papst Paul VI.

1976
Beide Jugendverbände beschließen eine gemeinsame Ordnung und inhaltlich gleichlautende Satzungen.

1.Januar 1977
Der neue gemeinsame Name „Jugendverbände der Gemeinschaften Christlichen Lebens“ tritt in Kraft. Die J-GCL wird gebildet aus KSJ-GCL und GCL-J. Die beiden Verbände arbeiten inhaltlich stärker zusammen, bleiben aber weiterhin zwei Verbände, nachdem ein Zusammenschluss zu einem Verband zunächst geplant, dann jedoch abgelehnt wurde.

1990
Das 11. Weltdelegiertentreffen mit Vertretungen aus fast 70 Ländern fasst die „Allgemeinen Grundsätze und Normen“ (AG/AN) neu und löst damit den Text von 1971 ab. Die „Weltföderation der Gemeinschaften Christlichen Lebens“ wird mit dem Inkrafttreten der neuen Allgemeinen Grundsätze und Normen in eine einzige weltweite „Gemeinschaft Christlichen Lebens“ umgewandelt. Gemäß dem neuen Selbstverständnis ist die GCL nicht mehr ein Zusammenschluss von Verbänden und Föderationen, sondern von Einzelpersonen, die, jede an ihrem Ort und ihrer Weise, nach den allen Mitgliedern gemeinsamen „Allgemeinen Grundsätzen“ leben wollen und sich dafür in Gruppen auf Orts-, Diözesan- und Nationalebene organisieren.

1994
Durch den neuen Mitgliederbegriff der GCL können KSJ-GCL und GCL-J als Verbände nicht mehr als „Mitglied“ der GCL bezeichnet werden. Als neue Formulierung wird festgelegt: „Die Jugendverbände sind der GCL in Deutschland angegliedert“. Die für alle GCL-Mitglieder verbindlichen Allgemeinen Grundsätze von 1990 bilden für die J-GCL eine Grundlage, an der sie sich orientieren.

„Auf dem Fundament des gleichen Charismas und verbunden durch gemeinsame Ziele und Motive inspirieren und unterstützen sich die GCL in Deutschland und die ihr angegliederten Jugendverbände gegenseitig“.
(Statuten der Gemeinschaft Christlichen Lebens in Deutschland, Abs. 48)

1.Januar 1995
Die beiden Jugendverbände ändern ihre Namen in GCL-MF und GCL-JM.

Januar 2001
Auf der gemeinsamen Jahreskonferenz beschließen die J-GCL eine neue Beschreibung des Profils ihrer Verbände. mit den drei Profilelementen ignatianische Spiritualität, Schule und Zweiverbandlichkeit.


Quelle: Jugendverbände der Gemeinschaft Christlichen Lebens (Hrsg.), Die Geschichte der J-GCL, Augsburg 2011.

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